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Kreuzfahrergemeinschaft
Kurpfalz
Die Geschichte des Templerordens

1. Gründung
Den meisten Autoren zufolge wurde der Orden um 1118 von Hugo de Payens, einem Ritter aus der Champagne, ins Leben gerufen. Im Beisein des Patriarchen von Jerusalem, Balduin II, legten acht weitere Ritter mit ihm einen Eid ab, mit dem sie ihr Leben der Bekämpfung der Feinde der Christenheit und besonders der Verteidigung der Pilgerwege widmeten.

Balduin II stellte der ,,militia christi", so der ursprüngliche Name, einen Flügel seines Palastes als Ordenshaus zur Verfügung, der angeblich auf den Trümmern des Heiligen Tempels von Salomon erbaut worden war. Daher leitet sich auch der Name ab: ,,Pauperes commilitones Christi templique Salomonici Hierosalemitanis" (,,Die armen Ritter Christi und des Tempels von Salomon").

Jerusalem war zwar seit 1099 wieder in den Händen der Christen, aber die vielen Pilger waren immer noch nicht sicher vor Angriffen. So ist es nicht verwunderlich, daß der neugegründete Orden von Balduin II derart unterstützt wurde.

Hugo de Payens begab sich bald zurück in das Abendland, um die Anerkennung des Ordens durch die kirchlichen Autoritäten zu erreichen, neue Mitglieder anzu-werben und um Schenkungen zu bitten. Auf dem Konzil von Troyes im Jahre 1129 wurde der Templerorden als Kombination aus Mönch und Ritter offiziell anerkannt und war somit der erste dieser Art.

Doch der Orden wurde heftig kritisiert, denn viele Geistliche konnten Religion und Krieg nicht miteinander vereinbaren. Das führte auch innerhalb des Ordens zu einer Identitätskrise, auf die der Großmeister Hugo de Payens mit einem Brief reagierte, in dem er die Ziele des Ordens wieder in Erinnerung rief. Es sei dessen Aufgabe, gegen die Feinde des Glaubens und für die Verteidigung der Christenheit zu kämpfen. Auch der Hl. Bernhard von Clairvaux unterstützte die Templer mit seiner Schrift ,,De laude", in der es hieß, daß der neue Ritterorden weder das Leben noch den Tod fürchte, denn ,,Christus ist sein Leben, Christus ist der Lohn für seinen Tod". Gleichzeitig forderte er alle Ritter Europas auf, in den Orden einzutreten und Gott zu dienen, damit ihnen ihre Sünden vergeben werden.

1139 veröffentlichte Papst Innozenz II die Bulle ,,Omne datum optimum", die den Templerorden von allen weltlichen und geistlichen Würdenträgern unabhängig machte und ihn nur dem Papst selbst unterstellte. Damit waren die Tempelritter vollkommen sicher vor jedweder Einmischung von politischer und kirchlicher Seite. So weigerten sie sich zum Beispiel, an dem von allen maßgeblichen Kräften befürworteten Kreuzzug gegen die Albigenser teilzunehmen.

2. Struktur
Der Orden orientierte sich ganz nach den strengen Regeln der Zisterzienser, deren Novizen ebenfalls ein Gehorsams-, Armuts- und Keuschheitsgelübde ab-legen mußten. Außerdem mußten sie sich verpflichten, dem Orden ihren gesamten Besitz zu vermachen. Wenn die Templer gerade keinen militärischen Auftrag hatten, sollten sie wie Mönche leben. Ihrem Armutsgelübde folgend trugen sie einen einfachen weißen Mantel (das markante achtspitzige rote Tatzenkreuz kam erst 1147 unter Papst Eugen III hinzu) und kurzgeschorenes Haar.

Die Mitglieder wurden in drei Stände unterteilt: Kämpfende, Betende und Arbeitende, wobei die Kämpfenden nochmals unterteilt wurden in Chevaliers (franz.: Ritter) und die dienenden Brüder (die Sergeanten) , die leichter bewaffnet und weniger stark gepanzert waren und in der Regel auch weniger Kampferfahrung besaßen.

Obwohl die Ordensstatuten jeglichen Besitz verbaten, entschied doch die Mitgift eines neuen Rekruten darüber, welchem Stand er zugeteilt wurde. So konnten meist nur Adelige die erforderlichen Mittel aufbringen, um ein vollwertiger Ritter zu werden.

An der Spitze stand der Großmeister, der auf Lebenszeit vom Generalkapitel gewählt wurde und den Orden leitete. Sein Vertreter, der Seneschall, war für die zivilen und administrativen Angelegenheiten zuständig. In der Hierarchie unter ihm stand der Marschall, der sich um Disziplin, Arbeitsaufteilung, Rüstung und Pferde zu kümmern hatte. Er führte zwar im Kampf die Truppen an, stand aber immer unter dem Oberbefehl des Großmeisters. Wurde dieser gefangengenommen oder getötet, wählte ein Kapitel einen sogenannten Grand Commandeur, der bis zum Antritt eines neuen Großmeisters die Angelegenheiten des Ordens regelte. Der Commandeur du Royaume hatte die Position des Schatzmeisters inne und war für die Einweisung der gerade aus Europa eingetroffenen Ritter zuständig. Der Turcopolier führte das Kommando über die einheimischen Soldaten, die Torcopolen, die keine Ordensmitglieder waren und einen regelmäßigen Sold bezogen.

Die Templer teilten ihr Einflußgebiet in Provinzen ein, denen jeweils ein eigener Meister vorstand. Trotzdem das Verwaltungsprinzip auf die Beschlüsse des Generalkapitels in Jerusalem ausgerichtet war, wurde den Provinzen doch ein gewisser Grad an Unabhängigkeit in lokalen Angelegenheiten gewährt.

3. Die Rolle der Templer in den Kreuzzügen
Seit Jahrhunderten beanspruchten drei Weltreligionen, nämlich Moslems, Juden und Christen, die Stadt Jerusalem. Die andauernden Auseinandersetzungen gipfelten in mehreren Kreuzzügen, deren Anfang das Konzil von Clermont darstellte, in dem Papst Urban II alle Christen aufforderte, die ,,Heilige Stadt von den Ungläubigen zu befreien". Den Mitstreitern in diesem heiligen Krieg wurde erzählt, daß ihnen alle Sünden erlassen würden und ihnen ein Platz im Paradies sicher sei; außerdem versprachen sie sich eine reiche Beute. Auch viele junge Adelige, die aufgrund des Erstgeborenenrechtes in ihrer Heimat nicht zu Grundbesitz kommen konnten, lockten die Ländereien im Orient.

Am 7.6.1099 erreichten die Kreuzfahrer, von denen die meisten nicht militärisch geschult waren, Jerusalem und nahmen die Stadt nach einigen Wochen Belagerungszeit ein. Das eroberte Gebiet teilte sich in die vier neu gegründeten Staaten Antiochia, Edessa, Jerusalem und Tripolis.

Die Hauptgründe für die stabile Position der Christen während des ersten Kreuzzugs waren sowohl der religiöse Eifer, der sie zusammenhielt, als auch die Feindschaft zwischen den muslimischen Lagern. Doch als die beiden wichtigsten Anführer der Christen, der Kaiser von Byzanz und der König von Jerusalem, im Jahre 1143 starben, fiel die Festung Edessa in die Hände der Moslems. Aus Angst vor einer neuerlichen Bedrohung verkauften viele Fürsten ihre Ländereien, von denen die meisten an die Templer gingen. Der Orden war aber auch politisch tätig und war für sein diplomatisches Geschick bekannt. Er unterhielt sogar Verbindungen zu den Assassinen, der für ihre Militanz und ihren Fanatismus bekannten Sekte, die sozusagen das islamische Gegenstück zu den Tempelrittern darstellte. Aufgrund ihrer Kontakte zum islamischen und jüdischen Kulturkreis hatten die Tempelritter Gedankengut in sich aufgenommen, das der orthodoxen katholischen Kirche fremd war.

1147 bereitete man sich für einen weiteren Kreuzzug vor, der aber nicht von Erfolg gekrönt war. Papst Eugen III gewährte den Templern das Recht, das rote Tatzenkreuz auf dem Mantel zu tragen, um zu zeigen, daß sie sich auf einem permanenten Kreuzzug befanden. Im Juni 1187 kam es zu einer schweren Niederlage der Christen gegen Sultan Saladin bei Hattin. Die gefangengenommenen Templer ließen sich lieber foltern, als ihrem Glauben abzuschwören, doch der Großmeister, Gérard de Ridefort, befahl, um sich freizukaufen, den Templern in der belagerten Festung Gaza, sich zu ergeben. Sie mußten ihrem Großmeister gehorchen, obwohl dies einen schweren Verstoß gegen die Ordensregeln darstellte.

Noch im selben Jahr eroberte Saladin Jerusalem, was in Europa zu einem neuerlichen Aufleben des Kreuzzugsgedanken führte. 1191 traf Richard Löwenherz in Akkon ein und eroberte die Stadt. Nach weiteren Diskussionen um den Thron von Jerusalem schloß man einen Friedensvertrag, da sowohl die Templer als auch die Hospitaliter das aussichtslose Unterfangen, Jerusalem zu belagern, abgelehnt hatten.

Der vierte Kreuzzug hatte in der Eroberung von Byzanz Erfolg, die jedoch von den grausamen Taten der christlichen Eroberer überschattet wurde. Von 1204 bis 1210 wurde ein Waffenstillstand vereinbart, doch als dieser auslief, konnten sich Johanniter, Deutschherren und Templer nicht einigen, ob er verlängert werden sollte. Die Johanniter und die Deutschherren waren dafür, da ihnen der Friede materiellen Wohlstand eingebracht hatte, doch die Templer befürchteten einen neuerlichen Zusammenschluß der Moslems. Nur durch die Eroberung neuer Ländereien könne man die Menschen aus Europa dazu bewegen, in den Orient zu kommen.

Der Kreuzzug von 1228 bis 1229 war geprägt von Friedrich II und seinem Konflikt mit den Templern. In Akkon beschimpfte er den Großmeister Pierre de Montaigu und versuchte sogar, die Templerfestung Chateau Pélerin zu erobern. Auf eine Drohung der Templer hin schickte Friedrich ein Schreiben an alle Herrscher Europas, in dem er den Templern vorwarf, mit den Moslems gemeinsame Sache zu machen und die Kirche zu verspotten.

1948 eroberten die Kreuzritter Damietta und rückten gegen Mansura vor. König Ludwig IX hatte zwar befohlen, auf Verstärkung zu warten, doch sein Bruder, der mit den Templern die Vorhut bildete, begann trotzdem mit dem Angriff. Nach Verlust des gesamten Templercouvents und des Großmeisters nahm Ludwig den Vorschlag eines Waffenstillstands an. Das gesamte fränkische Heer wurde gefangengenommen und Ludwig befahl dem Marschall und dem Schatzmeister der Templer, das Lösegeld zur Verfügung zu stellen.

Später verbündete sich Ludwig mit den Mamelucken aus Ägypten, was die Templer dazu zwang, ihren alten Bund mit Damaskus zu brechen. Das führte dazu, daß sich Ägypten und Damaskus gegen die Franken verbündeten. Ludwig zwang den neuen Großmeister Renaud de Vichier zur öffentlichen Abbitte, da die Templer wieder versucht hatten, mit Damaskus zu verhandeln.

Die folgenden Jahre waren geprägt von den Konflikten der Hafenstädte Genua, das von den Hospitalitern unterstützt wurde, und Venedig, auf dessen Seite die Templer und die Deutschherren standen, sowie dem Kampf zwischen Mongolen und Mamelucken. Die Mongolen wurden 1260 besiegt, und als die Mamelucken begannen, die Ländereien der Christen zu erobern, sahen sich die Templer gezwungen, ihre armenischen Festungen aufzugeben, da sie weder Hinterland noch genügend Besatzung hatten. Die laut den Templerstatuten vorgeschriebene Anzahl an Gegnern, bei der man sich ergeben durfte - eins zu drei - war anscheinend erreicht. 1291 fiel der Großmeister beim Kampf um Akkon, und nachdem weitere wichtige Standpunkte erobert worden waren, war das Ende der christlichen Kreuzritterstaaten besiegelt und die verbliebenen Kreuzfahrer kehrten nach Europa zurück.

4. Die Aktivitäten des Ordens in Europa
Obwohl das ursprüngliche Betätigungsfeld der Templer in der Verteidigung der Heiligen Stadt und im Schutz der Pilger lag, war ihr Einfluß auch in der Politik sehr groß. So waren die Beziehungen zwischen den Templern und dem französischen Königshaus nie eng wie in England. Besonders dort genossen sie großes Ansehen und viel Einfluß. Unter der Herrschaft von König Stephen, der 1135 an die Macht kam, breiteten sich die Ordenshäuser der Templer über ganz England aus, was den unzähligen Schenkungen von Adeligen zu verdanken war. Der Hauptsitz des Ordens lag ursprünglich in Holborn, wurde aber später zum ,,neuen Tempel" verlegt; das Gebiet an der Themse heißt heute noch ,,Temple".

Heinrich II führte die guten Beziehungen zum Orden fort, und sein Sohn Richard Löwenherz wurde sogar als Ehrentempler angesehen, da er in ihren Festungen residierte und auf ihren Schiffen reiste. Der Meister von England, Aymeric de St. Maur, war sein engster Berater und übte großen Einfluß auf die Entscheidungen des Königs aus. Des weiteren hatte er im Parlament den Platz des obersten Barons inne.

Da fast nur Ritter aus dem vermögenderen und einflußreicheren Adel aufgenommen wurden, war der Orden über die Geschehnisse auf höchster Ebene stets bestens informiert. Doch auch durch seine Besitzungen, seinem diplomatischen Geschick und seiner Kriegskunst übten die Tempelritter großen militärischen und politischen Einfluß aus. Doch der profitabelste Faktor war die finanzielle Macht der Templer. Trotz des Kanonischen Gesetzes, das Christen verbot, theoretische Zinsen einzunehmen, verlieh der Orden gewaltige Summen und verlangte auch ent-sprechende Zinsen. Die englische Monarchie war derart verschuldet, daß Heinrich III sogar die Kronjuwelen verpfänden mußte.

Die Einführung einer Art von bargeldlosem Verkehr war eine der wichtigsten Neuerungen der Templer. Da Reisende jederzeit Überfälle zu befürchten hatten, war es sehr riskant, Geld oder andere Wertgegenstände bei sich zu tragen. Deshalb führte man Kreditbriefe ein. Man konnte in einem Tempel eine bestimmte Summe einbezahlen und bekam dafür eine Art Gutschein. Diesen konnte man in jedem anderen Tempel wieder in Bargeld umtauschen. Durch ein Codesystem wurden Diebstähle verhindert. Die Tempel dienten auch vielen Herrschern als Tresorvor-richtungen; der Pariser Tempel zum Beispiel war sowohl die Schatzkammer des gesamten Templerbesitzes als auch die des Königs. In England war der Orden auch als Steuereintreiber für Papst und König, als Makler, als Vermittler bei der Zahlung von Lösegeldern und anderen Transaktionen tätig.

5. Das Ende des Ordens
Nach dem Fall vom Akkon wurde Zypern zum neuen Sitz der Templer, wo sie versuchten, einen selbständigen Staat zu errichten, doch sie hatten keinen Erfolg. Erst nach zwei Jahren traten sie mit dem Großmeister Jaques de Molay wieder an die Öffentlichkeit, um vergeblich für einen neuen Kreuzzug zu werben. Die weltlichen und geistlichen Würdenträger begannen bald, laut über die Möglichkeit eines Zusammenlegens der Templer und der Johanniter zu einem einzigen Orden nachzudenken. Auf Anfrage des Papstes schrieb Jaques de Molay ein Gutachten, in dem er die Vor- und Nachteile eines Zusammenschlusses abwog und die Idee verwarf.

Seit einiger Zeit waren Gerüchte über die Templer im Umlauf, die den Orden der Ketzerei und der Götzenverehrung beschuldigten. Der Berater des französischen Königs, Guillaume de Nogaret, nutzte die Gelegenheit, um die Auflösung des Ordens einzuleiten. Der Schatz der Templer in Paris schien geradezu prädestiniert gewesen zu sein, alle Finanzprobleme Frankreichs zu lösen. Nur Papst Clemens reagierte 1307 mit der Ankündigung, eine Untersuchung der Gerüchte in Auftrag zu geben, die aber zu spät anzulaufen begann.

In einer Staatsratsitzung wurde beschlossen, unter dem Vorwand der Inquisition der Templeraffäre ein Ende zu setzen, denn der französische Großinquisitor Wilhelm Imbert habe den König aufgefordert, gegen die ketzerischen Templer vorzugehen. Alle Seneschalle des Landes erhielten ein versiegeltes Schreiben, das erst an einem bestimmten Tag geöffnet und befolgt werden sollte. Überall in Frankreich wurden zur gleichen Zeit die Templerbesitzungen beschlagnahmt und die Ordensbrüder verhaftet. Manches deutet jedoch darauf hin, daß die Templer davon gewußt hatten, denn sie leisteten keinen Widerstand und der Großmeister hatte zuvor alle wichtigen Bücher und Dokumente des Ordens verbrennen lassen.

Nogaret ließ die Gefangenen zuerst von seinen eigenen Leuten verhören, bevor er sie der Inquisition übergab. Wie es zu dieser Zeit üblich war, wurden die Geständnisse mittels Folter erzwungen, was als sichere Methode zur Beweiserlangung galt. Dabei wurden die seltsamsten Beschuldigungen erhoben. So wurde dem Orden vorgeworfen, sich der Ketzerei, Homosexualität und der Verehrung eines Götzen, des sogenannten Baphomet, schuldig gemacht zu haben. Außerdem wurde behauptet, sie würden sich nachts im geheimen treffen und jeden Zuschauer töten und würden nur auf die Bereicherung des Ordens aus zu sein.

Alle diese Anschuldigungen waren nicht neu; es war schon früher Nogarets Taktik gewesen, seinen Gegner als Ketzer zu beschuldigen. Dann mußte er nur noch die Panik ausnutzen, die der bloße Hinweis auf Ketzerei bei den Menschen im Mittelalter auslöste.

Dem Großmeister wurde gesagt, daß die meisten Ordensbrüder schon alles gestanden hätten und daß es nur noch an ihm läge, ein Ende der Untersuchung herbeizuführen. Außerdem lag ein Geständnis eines Knappen von Molay vor, der zugegeben hatte, vom Großmeister mißbraucht worden zu sein. Mit diesen Anschuldigungen wurde Molay gezwungen, die Schuld der Templer einzugestehen und auch seine Ordensbrüder zu einem Geständnis zu bewegen. Doch als er 1314 bei einer öffentlichen Gerichtssitzung zum Tode verurteilt worden war, erklärte er den Orden für nicht schuldig. Dem Vorbild des Großmeisters folgend widerriefen auch viele andere Templer ihre Geständnisse und sagten aus, daß sie nur aufgrund der Folter die Vorwürfe zugegeben hätten. Doch sie galten als Relaps (als rückfällige Ketzer) und wurden mit ihrem Großmeister auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Das Schicksal der Tempelritter war damit, zumindest in Frankreich, besiegelt. Der König forderte vom Papst immer einschneidendere Maßnahmen gegen die Templer, und schließlich veröffentlichte dieser die Bulle ,,Vox in excelso", in der der Orden offiziell aufgelöst wurde.

Der französische König versuchte, die Herrscher der anderen europäischen Länder davon zu überzeugen, ihn bei seinem Kampf gegen die Templer zu unterstützen, hatte dabei aber nur wenig Erfolg. Sein eigener Schwiegersohn, Eduard II von England, ergriff zunächst Partei für den Orden, bevor er auf die von Papst und französischem König vertretene Linie einlenkte. Nur wenige Templer wurden daraufhin verhaftet und erhielten zumeist milde Strafen.

Da Schottland unter päpstlichem Bann lag, wurde die Bulle mit der Auflösungsverfügung nicht verkündet und der Orden dort folglich nie aufgelöst. Viele Tempelritter aus England und auch aus Frankreich fanden hier Zuflucht.

Der Herzog von Lothringen ließ nur wenige Templer vor Gericht stellen, die aber freigesprochen wurden. Die meisten folgten dem Rat ihres Präzeptors, sich in Aussehen und Kleidung ihrer Umgebung anzupassen, und schlossen sich den Johannitern oder den Deutschherren an.

Der Besitz der Templer außerhalb der iberischen Halbinsel ging an die Johanniter über, in Spanien wurden die Besitztümer auf die Hospitaliter und den neugegründeten Orden von Montesa überschrieben.
Die Geschichte des Deutschen Ordens


Der Deutsche Orden, dessen Mitglieder sich nach einem ehemaligen deutschen Spital in Jerusalem "Brüder vom Deutschen Haus Sankt Mariens in Jerusalem" nannten, wurde 1190 in Akkon gegründet, zunächst als Spitalbruderschaft und seit 1198 auch als ritterliche Kampfgemeinschaft zum Schutz der Pilger im Heiligen Land.
Nach Johannitern und Templern war der Deutsche Orden der dritte der großen geistlichen Ritterorden der Kreuzzugszeit. Fast 100 Jahre jünger als jene, folgte er im wesentlichen den von ihnen vorgebildeten Regeln und Organisationsmustern. Nach dem Vorbild der Templer wurde der weiße Mantel übernommen; an die Stelle des roten trat das schwarze Kreuz.
Wegen der Vormachtstellung der beiden älteren Orden im Orient blieb das Herrschaftsgebiet des Deutschen Ordens auf die Umgebung von Akkon und Montfort sowie das Hinterland von Tyrus beschränkt. Schon früh begann daher die Ordensleitung, auch anderenorts nach Kampfaufgaben Ausschau zu halten. Unter dem bedeutenden Hochmeister Hermann von Salza (1209 - 1239), einem Vertrauten Kaiser Friedrichs II., fand man eine solche zunächst kurzzeitig im siebenbürgischen Burzenland, endgültig dann, einem Hilfegesuch des Herzogs von Masowien folgend, im Kulmer Land am Unterlauf der Weichsel. Von hier aus gelang dem Orden im Kampf gegen die heidnischen Pruzzen die Errichtung eines geschlossenen Herrschaftsgebiets, das nach der Vereinigung mit dem Schwertbrüderorden zeitweise von der Grenze Pommerns bis zum Finnischen Meerbusen reichte. Nach dem Verlust Akkons 1291 verlegte der Hochmeister seinen Amtssitz zuerst nach Venedig, dann 1309 in die Marienburg.

Der Staat des Deutschen Ordens
Vom Hochmeister und seinem Verwaltungsstab nach modern anmutenden Richtlinien straff geführt, wuchs der Ordensstaat zur stärksten Macht im Ostseeraum heran. Eine hoch entwickelte zentrale Finanzverwaltung lieferte für die staatlichen und militärischen Aufgaben hinreichende Einkünfte.
Am Ausbau der eroberten Gebiete waren Siedler aus allen Teilen des Reiches beteiligt; nach und nach wuchsen sie mit der alteingesessenen preußischen Bevölkerung zusammen. Zur Sicherung wurden die Landschaften mit einem Netz von Burgen überzogen; zur Förderung wirtschaftlicher Prosperität gründete der Orden zahlreiche Städte.
Dem Hochmeister standen in der Leitung des Ordensstaates fünf Großgebietiger zur Seite. Während der Hochmeister, der Großkomtur und der Treßler (Schatzmeister) in der Marienburg residierten, hatte der Spitler (Leiter des Hospitalwesens) seinen Sitz in Elbing, der Trapier (verantwortlich für Bekleidung und Ausrüstung) in Christburg und der Marschall (Chef des militärischen Bereichs) in Königsberg. Generalprokuratoren bei der Kurie lieferten über ein gut organisiertes Botensystem der Ordensleitung detaillierte Informationen über die jeweilige Lage im Reich und in Europa.
In seiner Frühzeit rekrutierte sich der Orden vorwiegend aus dem niederen Adel. Er bot nachgeborenen Söhnen Aufstiegschancen und den Geschlechtern, aus denen sie stammten, gehobenes Ansehen. Den Ritterbrüdern gleichberechtigt waren die Priesterbrüder. Ihnen oblag die Feier des Offiziums und die seelsorgliche Betreuung der Mitbrüder, ferner die Pflege von Kunst und Wissenschaft. Ihre Geltung nahm freilich im 14. und 15. Jahrhundert gegenüber den Ritterbrüdern ab. Weitere Gruppen von Ordensmitgliedern waren die nichtadligen Sariantbrüder (Leichtbewaffnete und niedere Amtsträger), die Halbbrüder und Halbschwestern (im Kranken- und Wirtschaftsdienst).
Im Ordensland entwickelte sich eine nicht unbedeutende Literatur, die, von der Ordensleitung gefördert und gelenkt, auf die Bedürfnisse des Ordens abgestimmt war. Themen waren vor allem die Geschichte des Ordens, die Heilige Schrift und das Leben der Heiligen. Einige dieser Werke, etwa das Passional und das Väterbuch, wirkten bis in die heutige Zeit fort.


Marienburg an der Nogat - Residenz des Hochmeisters von 1309 bis 1457
Auseinandersetzungen mit den aufbegehrenden Ständen, die sich in ihrer Selbstbehauptung gegen den Orden gelegentlich auch mit Polen verbündeten, und die 1386 vollzogene Vereinigung des christlich gewordenen Litauen mit Polen unter dem Großfürsten Jagiello führten 1410 zur schweren Niederlage des Ordens bei Tannenberg und brachen dessen Vormachtstellung. Der Übertritt des Hochmeisters Albrecht von Brandenburg zum evangelischen Glauben 1525 und die Umwandlung des nach dem ersten und zweiten Thorner Frieden (1411 und 1466) verbliebenen Ordenslandes in ein weltliches erbliches Herzogtum beendeten schließlich die Herrschaft des Deutschen Ordens im preußischen und baltischen Raum.

Der Deutsche Orden im Reich: Aufstieg und Krise
Im Reichsgebiet hatte der Deutsche Orden schon früh vielerorts festen Fuß gefasst. Viele Schenkungen und andere Übereignungen verschafften ihm umfangreichen Grundbesitz. Er wurde von Kommenden verwaltet, die im Reichsgebiet (1280) in 13 Ordensprovinzen, Balleien genannt, zusammengefasst waren. Die Kommenden waren keineswegs nur Etappenstationen für die Fronten des Heidenkampfes; vielmehr wuchsen sie immer stärker auch in das regionale Geflecht politischer Beziehungen und Interessen hinein. Oft dienten die repräsentativeren unter ihnen bei Reichsversammlungen und Reisen des hohen Adels als Fürstenquartier. In späteren Zeiten verhalfen sie Adligen zu standesgemäßer Versorgung.
Oberster Amtsträger des Ordens im Reich war der Deutschmeister. Inhaber dieses Amtes versuchten im 15. Jahrhundert, einen Teil der ihnen unterstellten Gebiete zu einer geschlossenen Herrschaft zusammenzufassen und sich somit einen eigenen "Staat" zu schaffen, mit der Tendenz, sich von den Herrschaftsgebieten im Osten abzugrenzen. Bereits 1494 wurde der Deutschmeister von Kaiser Maximilian in den Reichsfürstenstand erhoben. Dies erleichterte später den Wiederaufbau des Ordens nach der sich anbahnenden schweren Krise.
Das 15. und beginnende 16. Jahrhundert brachten für den Orden schlimme Zeiten. Abgesehen von den bedrohlichen Machteinbußen im Osten seit 1466, gefährdeten die Hussitenstürme den Bestand der Ballei Böhmen. In Südeuropa mussten wichtige Außenpositionen -etwa Apulien und Sizilien- aufgegeben werden. Nach dem Staatsstreich Albrechts von Brandenburg verblieben als Ordensgebiet nur noch die Balleien im Reich. Zusätzlich wurde die Macht des Ordens durch die Bauernkriege erschüttert, die gerade sein Kerngebiet -den Südwesten des Reichs- verwüsteten und die Burg Horneck am Neckar, den Sitz des Deutschmeisters, zerstörten. Da die Reformatoren das Ordensleben als etwas Naturwidriges ablehnten, stellte die neue Lehre auch das innere Leben des Ordens in Frage. Zahlreiche Ritterbrüder und vor allem Priesterbrüder legten ihr Ordenskleid ab, nachdem schon in den zurückliegenden Jahrzehnten die anderen Ordenszweige aufgegeben worden waren.

Konsolidierung und innere Erneuerung nach der Reform

Deutschordensschloß Mergentheim - Residenz des Hoch- und Deutschmeisters von 1526 bis 1809. (Heute u.a. Deutschordensmuseum)
Deutschordensschloß Mergentheim
Residenz des Hoch- und Deutschmeisters von 1526 bis 1809.
(Heute u.a. Deutschordensmuseum)
Unter dem Deutschmeister Walther von Cronberg (1525 - 1543) gelang die äußere Konsolidierung des Ordens. Vom Kaiser erhielt er 1527 die Berechtigung, sich "Administrator des Hochmeistertums" zu nennen und damit den Besitzanspruch auf Preußen aufrechtzuerhalten. Aus dieser Bezeichnung entstand später der Kurztitel "Hoch- und Deutschmeister". Auf dem Frankfurter Generalkapitel 1529 wurde die "Cronbergsche Konstitution" erlassen: das zukünftige Verfassungsgesetz der Adelskorporation. Residenz des Ordensoberhauptes und zugleich Sitz der Zentralbehörden der dem Hochmeister unmittelbar unterstellten Gebiete wurde Mergentheim. Außerhalb dieses sich neu formierenden Ordensstaates, der seine Landeshoheit konsequent ausbaute, entwickelten sich die von den Landkomturen geführten Balleien zu weitgehend selbständigen Gebilden; einige von ihnen hatten den Rang von Reichsständen und rangierten in der Matrikel in der Gruppe der Prälaten. Oft gerieten sie in die Abhängigkeit benachbarter Adelsfamilien, die ihre Söhne traditionell in den Orden entsandten. In Thüringen, Sachsen, Hessen und Utrecht, wo sich die neue Lehre fest etabliert hatte, gab es auch lutherische und reformierte Ordensbrüder, die sich -dem korporativen Denken des Adels folgend- dem Hochmeister gegenüber loyal verhielten, auch im Zölibat lebten und nur die Gelübdeformel durch einen Eid ersetzten. -Zum ersten Mal 1590 und später immer häufiger wählte man den Hoch- und Deutschmeister aus führenden Geschlechtern katholischer Territorialstaaten, vor allem aus dem Haus Österreich. Dies schuf neue familiäre und politische Querverbindungen zum deutschen Hochadel, ließ aber auch den Orden mehr und mehr zu einem Objekt habsburgischer Politik werden.
In diesem Rahmen begann im Laufe des 16. Jahrhunderts die innere Erneuerung des Ordens. Nach den Umwälzungen der vergangenen Zeit war es dessen Aufgabe, seinen Standort neu zu bestimmen und die ursprünglichen Forderungen der Ordensregel auf die veränderten Verhältnisse der Gegenwart zu beziehen. So rief die katholische Reform den Orden zu seinen geistlichen Pflichten zurück. Gerade auf diesem Gebiet gab es viel zu tun. Das eher auf Exklusivität drängende Standesdenken des Adels hatte die Bedeutung der meist nichtadligen Priesterbrüder zurückgedrängt. Im Generalkapitel hatten sie in der Neuzeit weder Sitz noch Stimme. Die Seelsorge in den Kommenden lag oft in den Händen von Angehörigen anderer Orden. Seit Laien mit juristischer Ausbildung in den Kanzleien des Ordens arbeiteten, war auch dieser Dienst für Priesterbrüder versperrt. Aus all diesen Gründen war die Zahl der Priesterbrüder stark gesunken.
Die Ordensleitung beschloss, den Forderungen des Konzils von Trient folgend, Priesterseminare zu errichten: das erste 1574 in Köln, das zweite 1606 in Mergentheim. Gründer des letzteren war Hochmeister Erzherzog Maximilian von Österreich (1590 - 1618), dessen Initiative es zuzuschreiben war, dass Tirol katholisch blieb. Künftig spielten die Ordensniederlassungen in evangelisch gewordenen Städten bei der Seelsorge für durchreisende Katholiken oder für die wenigen dort verbliebenen Altgläubigen eine wichtige Rolle. Auch gewann in einigen Kommenden der Gedanke der Hospitalität wieder an Boden, wie die Errichtung eines dreistöckigen Spitals 1568 in Sachsenhausen zeigt.
Als wichtigste Aufgabe betrachtete der Orden jedoch den kampfbereiten Einsatz der Ritterbrüder, die sich seit dem 17. Jahrhundert auch "cavalliere" nannten, bei Aufgaben für Kaiser und Reich, vor allem bei solchen, die der Verteidigung des Glaubens dienten. Hierfür boten die Türkenkriege das wichtigste Feld. Trotz finanzieller Nöte leistete der Orden erhebliche Beiträge für die Türkenhilfe. Ritterbrüder dienten als Offiziere in Truppen von katholischen Reichsfürsten und in der kaiserlichen Armee. Seit 1696 stellte der Orden das Regiment "Hoch- und Deutschmeister" das spätere Wiener Hausregiment. Alle jungen Ritterbrüder hatten ihr exercitium militare abzuleisten: sie mussten für drei Jahre als Offiziere in einer Grenzburg dienen, ehe sie Ordensämter übernahmen. Viele haben sich im Kampf ausgezeichnet, viele sind gefallen.
Nach den Nöten des Dreißigjährigen Krieges begann im Orden eine rege Bautätigkeit. Prächtige Schlösser, oft verbunden mit mächtigen Schlosskirchen, und repräsentative Kommendenhäuser wurden errichtet: in Ellingen, Nürnberg, Sachsenhausen, Altshausen, Beuggen, Altenbiesen und an vielen anderen Orten. Daneben entstanden zahlreiche neue, reich ausgestattete Dorf- und Stadtkirchen sowie Zweckbauten, wie Hospitäler, Rat-, Schul- und Bürgerhäuser, Gewerbegebäude, Mühlen, Brücken und andere. Sie legen Zeugnis ab von der bedeutenden kulturellen Leistung des Ordens im Reichsgebiet.

Französische Revolution und Napoleons Diktat
Frankreichs Revolutionskriege im ausgehenden 18. Jahrhundert leiteten die zweite große Krise des Ordens ein. Mit der Abtretung des linken Rheinufers an Napoleon gingen die Balleien Elsaß und Lothringen ganz, Koblenz und Biesen zum größeren Teil verloren. Der Friede von Preßburg 1805 bestimmte, daß die Besitzungen des Deutschen Ordens und das Amt des Hoch- und Deutschmeisters erblich an das Haus Österreich übergehen sollten. Zwar ließ Kaiser Franz den Orden, dessen Hochmeister sein Bruder Viktor war, unangetastet; Amt und Orden waren aber künftig eingebunden in die Souveränität Österreichs. Am 24. April 1809 erklärte Napoleon den Orden in den Rheinbundstaaten für aufgelöst; der Ordensbesitz wurde an die Fürsten des Rheinbundes abgetreten. Dem Orden verblieben nur noch die Besitzungen in Schlesien und Böhmen sowie die Ballei Österreich mit Ausnahme der an die illyrischen Provinzen abgetretenen Kommenden (Krain). Die Ballei An der Etsch (Tirol) war an die Königreiche Bayern und Italien gefallen. Zwar kehrten beim Wiener Kongress 1815 die Krain und Tirol an Österreich zurück -und damit die noch nicht verkauften Besitzungen an den Orden-. An die Wiederherstellung einer eigenen Souveränität des klein gewordenen Ordens war aber nicht zu denken.

Der Deutsche Orden im Schutze Habsburgs


Hoch- und Deutschmeister Erzherzog Maximillian Joseph von Österreich-Este (1835-1863). Deutschordenskonvent, Lana
Hoch- und Deutschmeister Erzherzog
Maximillian Joseph von Österreich-Este (1835-1863)
Deutschordenskonvent, Lana
Es war Kaiser Franz I. von Österreich, der nach Jahren der Ungewissheit über die Zukunft des Ordens neue Wege öffnete. Im Jahre 1834 verzichtete er auf alle Anrechte aus dem Artikel 12 des Preßburger Friedens und setzte damit den Orden wieder in alle früheren Rechte und Pflichten ein. Der Orden wurde aus der Oberaufsicht der landesfürstlichen Behörde entlassen und erhielt den Rang eines selbständigen geistlichen Instituts, das nur durch das Lehensband mit dem Kaisertum verknüpft war. Diese weise Rechtsfigur verhinderte etwa 100 Jahre später, bei der Auflösung der Donaumonarchie, dass der Orden als österreichischer Ehrenorden verstanden wurde, dessen Güter Eigentum des Hauses Habsburg wären und somit von den Nachfolgestaaten hätten eingezogen werden können. Auf diesen kaiserlichen Beschluss hin nahm das Großkapitel des Ordens eine neue Verfassung an, die "Statuten des Deutschen Ritterordens", und ließ sie 1840 vom Kaiser bestätigen. Der Aufschwung, den der Orden in den nächsten Jahrzehnten nahm, war vor allem zwei Personen zu verdanken: dem Hochmeister Erzherzog Maximilian (1835 - 1863), einem Mann von großer Frömmigkeit und strenger Lebensführung, und P. Peter Rigler, Theologieprofessor aus Trient, der 1842 in Bozen die Ordensprofess ablegte und zusammen mit Hochmeister Maximilian zur treibenden Kraft der Ordensreform wurde. Um den Orden seinen ursprünglichen Bestimmungen näherzuführen, wurde 1840 das mittelalterliche Institut der Deutschordensschwestern wieder belebt und 1842 der Versuch eingeleitet, die Ordenspriester, die bisher verstreut in ihren Ordenspfarreien lebten, fester zu Gemeinschaften, Konvente genannt, zusammenzuführen.
1854 bestätigte Papst Pius IX. das Schwesterninstitut und die "Regeln der Schwestern vom Deutschen Hause Sankt Marien zu Jerusalem". Durch Beschluss des Großkapitels wurde es 1855 in den Deutschen Ritterorden aufgenommen. Damals zählte das Institut bereits 120 Mitglieder, verteilt auf 3 Mutterhäuser in Lanegg, Troppau und Freudenthal mit ihren Filialen. Weitere Mutterhäuser wurden 1880 in Friesach (Kärnten), 1889 in Friedau (heute Jugoslawien) errichtet.

Pater Peter Rigler OT
Pater Peter Rigler OT
Geboren in Sarnthein(Südtirol) am 28. Juni 1796
Gestorben in Bozen am 6. Dezember 1873
Rigler war Professor für Moral- und später für Pastoraltheologie sowie Spiritual am Priesterseminar in Trient, ein begnadeter Erzieher der Jugend, ein geschätzter Seelenführer und Exerzitienleiter. Als Gründer der Priesterkonvente und geistlicher Leiter der Schwestern hat er den Deutschen Orden von innen heraus erneuert. Sein Grab ist in Niederlana (Südtirol). Bereits seine Zeitgenossen hielten ihn für einen Heiligen, da in seinem tugendhaften Leben die Liebe Gottes aufleuchtete. Papst Pius IX. nannte ihn den "Engel von Tirol". Der Deutsche Orden strebt seine Seligsprechung an.

1855 wurde unter P. Riglers Leitung in Lana der erste, 1858 in Mähren (seit 1866 in Troppau) der zweite Priesterkonvent gegründet. Ihre Regel wurde 1865 vom Großkapitel, 1866 vom Kaiser anerkannt und 1871 von Papst Pius IX. als "Regel der Konventsbrüder des Deutschen Hauses" bestätigt. Aus beiden Konventen kam eine große Zahl von Priestern, die der Orden für seine Pfarreien und für die geistliche Leitung der Schwestern brauchte. 1897 wurden in Laibach, 1924 in Gumpoldskirchen weitere Konvente errichtet.
Die Ritter des Ordens wandten sich seit den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts dem Kriegssanitätswesen zu, auch im Gedenken an den Ursprung des Ordens in einem Feldlazarett bei Akkon 1190. Anlass war unter anderem das allgemeine Entsetzen über das Elend der Kriegsverletzten in der Schlacht von Solferino (1859). Mehrfach schon im 19. Jahrhundert, vor allem aber im Ersten Weltkrieg richtete der Orden Feldspitäler ein. Um die nötigen Geldsummen aufzubringen, wurden alle Ordensritter zu jährlichen Beiträgen verpflichtet und dazu im Jahre 1866 das Institut der Ehrenritter, 1871 das der Marianer des Deutschen Ordens geschaffen.

Der geistliche Deutsche Orden
Der Zusammenbruch der Donaumonarchie 1918 zerriss den Deutschen Orden in vier durch Staatsgrenzen getrennte Provinzen: Österreich, Italien für Südtirol, Tschechoslowakei und Jugoslawien. Nur in Österreich schienen Chancen für das Überleben des Ordens zu bestehen. In den anderen Nachfolgestaaten wurde der Orden zunächst als ein Habsbuger Ehrenorden betrachtet, und es drohte die Einziehung des Vermögens als vermeintliches Eigentum Habsburgs. Daraufhin verzichtete Hochmeister Erzherzog Eugen 1923 auf sein Amt, ließ den Ordenspriester Norbert Klein, damals Bischof von Brünn, zum Koadjutor wählen und dankte gleichzeitig ab. Damit war Bischof Klein Hochmeister. Bis Ende 1927 erkannten nun alle Nachfolgestaaten der Donaumonarchie den Deutschen Orden als geistlichen Orden an. In der neuen Regel, die 1929 von Papst Pius XI. gutgeheißen wurde, lag die Generalleitung des Ordens in den Händen von Priestern, die Provinzleitung übernahmen die Priore bzw. die Provinzoberinnen. 1936 gewährte der Papst das Privileg, dass die Kongregation der Deutschordensschwestern unter der unmittelbaren Leitung des Hochmeisters und des Generalkapitels des Ordens stehen dürfe.






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